Mortar Systems Conference 2018
24.04.2018

Mortar Systems Conference 2018


Deconfliction in einer ADLER Kabine

Auch in diesem Jahr traf sich ein internationales Fachpublikum von Mörser-Konzeptionären am 6 und 7 März bei der von Omega ausgerichteten Mortar Systems Conference in Bristol, um einen offenen Gedankenaustausch über Entwicklungen im Bereich der Mörserei zu führen. Wie gewohnt, wurde die gut organisierte Veranstaltung industriell unterstützt.

Technologische Diskussionspunkte waren, wie gewohnt, Automatisierung, Digitalisierung, Wirkungssteigerung (in Punkto Zielgenauigkeit, Schnelligkeit und Zerstörungspotential). Hinzugekommen sind doktrinäre Aspekte der indirekten Feuerunterstützung.

Wie kämpfen Mörser morgen?

Seit der Erkenntnis der NATO, dass man eine Bedrohung an der Ostflanke hat, deren artilleristisches Portfolio der NATO in Punkto Anzahl, Feuerkraft und Reichweite deutlich überlegen ist, haben sich schnell mehrere Trends herauskristallisiert. Man muss schneller werden, weiter und präziser schießen können und sicherer sowie verlässlich kommunizieren können, um einem Gegner auf einem modernen Gefechtsfeld erfolgreich bekämpfen zu können.

So wurden auch auf industrieller Seite mehrere Lösungen entwickelt bzw. Konzepte vorgestellt, die diese Forderungen aufgreifen und erfüllen können. Die Digitalisierung steht dabei an oberster Stelle.

Sowohl Vertreter der Streitkräfte als auch der Industrie waren sich einig, dass der Mörser von morgen nur erfolgreich eingesetzt werden kann, wenn dieser ebenfalls digitalisiert wird. Die Gefechtsführung wird immer weiter vernetzt, und mit Einführung von Kommunikationsgeräten und Führungsinformationssystemen der nächsten Generation werden Gefechte von morgen zwar immer noch analog ausgeführt, aber digital geführt werden. Dies bedeutet, dass militärische Führer vermutlich keine Kräfte mehr führen wollen, die nicht ebenfalls in deren Führungssysteme integriert sind. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder für sich selbst beurteilen, jedoch macht die Digitalisierung vor allem Prozesse schneller, und kein militärischer Führer will auf Kräfte bzw. Mittel warten. Das Gefecht wird schneller, also müssen konsequenterweise auch die Akteure schneller werden, und dies gilt auch für den Mörser.

Muss sich die Deconfliction weiterentwickeln?

Die sicherlich spannendste Frage der Konferenz war keine technische, sondern eine doktrinäre und befasste sich mit der Koordinierung der Feuerunterstützung. Jeder Beobachter, Mörser- oder Artilleriesoldat weiß es nur zu gut, dass das Langsame an der Feuerunterstützung nicht das Bestimmen des Zieles, das Berechnen des Feuerkommandos oder das Richten der Waffenanlagen ist, sondern die Feuerfreigabe. Denn selbst, wenn diese Aspekte alle innerhalb weniger Sekunden erledigt sind, was moderne digitale Systemverbunde ohne weiteres ermöglichen, bleibt das Warten auf die Feuererlaubnis.

Die NATO Verfahren verlangen, dass der Luftraum „deconflictet“ wird. Ein Wirkmittel darf nur dann den Luftraum nutzen, wenn vorher geklärt wurde, dass sich keine eigenen bzw. verbündeten Kräfte oder zivile Luftfahrzeuge darin befinden. Falls doch, muss der Luftraum erst geräumt werden.

Wenn man sich nun vor Augen führt, dass ein MARS Raketenwerfer knapp an die 100 km weit schießt, muss in einem solchen Szenario sichergestellt werden, dass sich für diesen Korridor im Zeitraum des Feuerkommandos - die Dauer beträgt mehrere Minuten - keine Kräfte entlang der kompletten  Flugstrecke befinden. Dies ist kein theoretisches Problem, ein Vertreter der US Streitkräfte führte Beispiele aus Afghanistan auf, wo eben solche Maßnahmen durchgeführt wurden und 15 Minuten und länger dauerten.

Die Frage ist aber, ob bzw. in welchem Ausmaß man in einem potentiellen Konflikt an der Ostflanke eine Koordinierung braucht, wenn der Luftraum eh durch die feindliche Luftabwehr gesperrt ist. Kann man da nicht dem Beobachter direkt zutrauen, das Feuer nicht nur abzurufen sondern auch direkt freizugeben, insbesondere dann, wenn er einen Handvorrat an Munition zur Verfügung hat?

Im Sinne der Auftragstaktik wäre dies sicherlich für einige Wirkmittel (Mörser) eine mögliche und zweckmäßige Lösung, die die Gefechtsführung der Feuerunterstützung auf jeden Fall deutlich mehr beschleunigen würde, als es jegliche technologische Innovation vermag. Denn technologisch lassen sich nur noch wenige Sekunden gewinnen; wenn Streitkräfte ihre Doktrin anpassen, werden ganze Minuten gewonnen.In diesem Punkt war man sich in Bristol einig.

Waldemar Geiger


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