Glock 17 und 19 Generation 5
25.08.2017

Glock 17 und 19 Generation 5


Glock 17 und 19 Generation  5

Jan-Phillipp Weisswange

Ende August stellte die österreichische Waffenschmiede Glock die fünfte Generation ihrer weltberühmten Schlagbolzenschlosspistole vor. In deren Entwicklung flossen Erfahrungen jüngerer Militär- und Behördenausschreibungen ein.

Die vom österreichischen Kunststoffexperten, Unternehmer und Erfinder Gaston Glock Ende der 1970er Jahre entwickelte Schlagbolzenschlosspistole ist heute die weltweit am meisten geführte Dienstpistole und auch auf dem Zivilmarkt einer der Marktführer. Seit ihren Anfängen hat die zuerst durch das österreichische Bundesheer als Pistole 80 beschaffte Seitenwaffe einige Evolutionsstufen durchlaufen. Mit der 2010 vorgestellten vierten Generation erhielt sie neben einer neuen Schließfederstruktur noch austauschbare Griffrücken. Eine Variante der Neun-Para-Pistole Glock 17 dieser Generation ist bei Spezialkräften der Bundeswehr als P9A1 eingeführt, während die Vorgängergeneration als P9M katalogisiert ist. M steht dabei für maritim. Sie dient unter anderem in der GSG 9 der Bundespolizei als Standardwaffe.

Pünktlich zur DSEI 2017 legt das Unternehmen aus dem niederösterreichischen Deutsch-Wagram nördlich von Wien nun die Glock Generation 5 (Gen5) vor. ES&T konnte die Standardvariante Glock 17 Gen5 und die Kompaktversion Glock 19 Gen5 begutachten.

 

Ergonomische Anpassungen

In die Konstruktion der fünften Generation flossen die Erfahrungen des Unternehmens aus zwei Großvorhaben in den USA ein. So beteiligte sich Glock an den Ausschreibungen für die neue Dienstpistole des FBI und für das Modular Handgun System (MHS) der U. S. Army. Beide Projekte stießen in der Fachwelt auf hohes Interesse. Geleakte Bilder der FBI-Waffe kursierten im Netz und ließen nicht nur in der Fachwelt, sondern auch auf dem Zivilmarkt Begehrlichkeiten nach einer solchen modifizierten Pistole entstehen. Einige dieser Modifikationen fallen bereits auf den ersten Blick auf. So fehlen dem Griffstück die bei früheren Generationen vorne eingelassenen Griffmulden.

Das soll in Verbindung mit den austauschbaren Griffrücken wahlweise mit oder ohne Beavertail die Waffengriffstücke für noch mehr Nutzer optimal anpassbar machen. Die Konstrukteure verbesserten weiterhin den Magazinschacht. Er ist etwas aufgeweitet und größer geworden, was das Einführen des Patronenbehälters erleichtert. Die Magazine der Generation 5 sind kompatibel mit ihren Vorgängern früherer Baureihen. Sie verfügen nun aber über einen vorne verlängerten Magazinboden, der ebenfalls zum schnelleren Magazinwechsel dienen soll. Dazu kommt ein orangefarbener Zubringer.

So lässt sich schneller erkennen, ob sich noch eine Patrone im Magazin befindet. Geblieben ist die bereits mit der Generation 4 eingeführte Rough Textured Frame Surface, also die grob geriffelte Griffstückoberfläche, die die Waffe griffiger macht. Gleiches gilt für den vergrößerten Magazinhalteknopf. Der lässt sich auch an die andere Waffenseite verlegen. Neu wiederum ist der nun beidseitig bedienbare Verschlussfanghebel, der sich sowohl mit der schussstarken als auch der schussschwachen Hand gut erreichen lässt.

 

Erneuertes Innenleben

Doch nicht nur äußerlich sichtbar modifizierten die Glock-Konstrukteure ihre Gen5-Waffen. Die neue Generation trägt am Lauf und am Verschluss eine verbesserte Oberflächenbeschichtung. Dieses neue und exklusiv an der Gen5 vorhandene nDLC-Finish soll die Waffen besser vor Witterungseinflüssen, Korrosion und Kratzern schützen sowie ihre Funktionssicherheit auch bei widrigen Umgebungen erhöhen. Im Innenleben gibt es ebenfalls Veränderungengen. Die Glock Gen5-Model le haben den neuen Glock Marksman Barrel. Er weist ein neues, hexagonales Laufprofil mit einem Rechtsdrall auf. Die Dralllänge beträgt 250mm. Geblieben wiederum sind die bewährten, drei unabhängig voneinander arbeitenden Sicherungen: Fallsicherung, Schlagbolzensicherung und Abzugssicherung.

 

Auf dem Schießstand

Die neue Glock-Generation liegt gut in der Hand, wobei der Verfasser (Handschuhgröße 9½) mit den eingelassenen Griffmulden der Vorgängergenerationen ebenso gut zurechtkommt und eine Glock 17 Generation 3 jagdlich nutzt.

Die schlanker gewordene Visierung der Gen5 lässt sich gut aufnehmen, der Abzug bricht klar und das Trigger-Reset lässt sich sehr gut realisieren. Rückstoß und Hochschlag fallen moderat aus und man ist schnell wieder im Ziel. Auf sieben Meter Entfernung lagen die Treffer auch bei schnelleren Serien mit Geco-Vollmantelmunition Loch in Loch. Erstaunlicherweise erreichte der Verfasser dabei mit der kompakteren Glock 19 ein noch engeres Trefferbild als mit der Glock 17. Bei Präzisionsserien lässt sich auf 25 Meter mit beiden Varianten das schwarze im DSB-Spiegel locker halten. Positiv fielen weiterhin die beidseitige Bedienbarkeit und der gefühlt etwas schnellere Magazinwechsel auf.

 

Ausblick

Die Produktion der Glock Gen5-Pistolen ist angelaufen. Noch in diesem Monat sollen sie über den autorisierten Fachhandel erhältlich sein.


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