G95 – Das neue Sturmgewehr Spezialkräfte
18.10.2017

G95 – Das neue Sturmgewehr Spezialkräfte


HK416A7 - G95

Die Entscheidung ist gefallen, das HK 416A7, die neueste Version der HK416-Familie aus dem Hause Heckler & Koch, wurde als Nachfolger des bei den Spezialkräften der Bundeswehr genutzten G36KA4 ausgewählt.

Am 11. Januar 2017 brachte das BAAINBw das Vorhaben Sturmgewehr Spezialkräfte auf den Weg. Insgesamt fünf Waffenhersteller bekundeten ihr Interesse an der Ausschreibung, wobei nur Haenel, Heckler & Koch, Rheinmetall/Steyr Mannlicher und SIG SAUER jeweils fünf Produktmuster für die Prüfung durch die Wehrtechnische Dienststelle 91 in Meppen einreichten. Der fünfte Interessent, Colt Canada, reichte keine Produktmuster ein.

Der Beschaffungsvorgang, von der Veröffentlichung des Teilnahmewettbewerbes bis zur Vertragsunterzeichnung, wurde trotz Anpassung des Ausschreibungsumfanges mitten im Verfahren innerhalb von acht Monaten abgeschlossen. Dies verdeutlicht die Sonderrolle des Kommando Spezialkräfte. Alle Prozessbeteiligten, Beschaffer und Industrie, sind sich der Rolle von Spezialkräften als strategisches Mittel der Bundesrepublik Deutschland bewusst und ziehen daher nicht nur an einem Strang, sondern auch in dieselbe Richtung. Nur so ist zu erklären, dass die Herausnahme des Ziellasers aus dem Ausschreibungsumfang geräuschlos vonstatten ging. Die vorher angedachten 600 Ziellaser werden in Kürze durch eine eigene Ausschreibung beschafft, welche vermutlich in den nächsten Wochen veröffentlicht werden soll. 

G95 bzw. HK416A7

Wie im Vorfeld bereits vermutet, nahm H&K nicht mit einem Standardprodukt an der Ausschreibung teil. Das mittlerweile durch die französischen und norwegischen Streitkräfte beschaffte und von zahlreichen Spezialkräften genutzte HK416 wurde für die Ausschreibung speziell angepasst. Im Gegensatz zu der Version HK416A5 fand unter anderem eine Modifizierung des Handschutzes, der Beschichtung des Gehäuses und der Sicherungsarchitektur statt.

Der neue Slim Line-Handschutz mit HKey-Schnittstellen auf drei und neun Uhr sowie Picatinny-Schienen auf zwölf und sechs Uhr ist nun ohne Werkzeug abnehmbar. Dies ermöglicht eine deutlich einfachere und schnellere Zerlegung der Waffe für Reinigung und Instandsetzung.

Die keramikbasierte Ceracote-Beschichtung bietet einen hohen Korrosions- und Abriebschutz. Die A7-Variante ist nicht mehr schwarz, sondern kommt in Flat Dark Earth, was nicht nur die Aufheizung der Waffe in der Sonne reduziert, sondern auch deren optische Tarnung verbessert.

Die wohl entscheidende Änderung der HK416A7 ist die neue Sicherungsarchitektur. Entgegen der bei den AR-15-Gewehren üblichen 90 Grad muss der Sicherungshebel nur noch 45 Grad bewegt werden, um die Waffe in den entsicherten Zustand zu bringen. Die Rastung für den Betrieb im Dauerfeuermodus befindet sich nun auf 90 Grad. Für die Nutzer des G36 bedarf es keiner Umschulung beim Umstieg auf das HK416A7.

Ausschreibungsumfang

Neben 1.730 Gewehren werden im Zuge dieser Ausschreibung unter anderem Signaturdämpfer, moderne Trageriemen, pro Gewehr zehn Magazine sowie ein umfangreiches Trainings- und Logistikpaket beschafft. Nicht ausgeschrieben wurden Optiken bzw. Optroniken. Die Lieferung der ersten 40 Sätze soll noch in diesem Jahr erfolgen, um im Anschluss eine Qualifizierung zu durchlaufen und an die Truppe übergeben zu werden. Spätestens 2020 sollen alle Gewehre an die Streitkräfte ausgeliefert sein. Die Vertragssumme beläuft sich auf einen niedrigen einstelligen Millionenbereich und damit deutlich unter den geplanten elf Millionen Euro. Auch wenn die Ausschreibung des Ziellasers separat läuft, wird das Gesamtvolumen der Ausschreibung vermutlich um ca. 50 Prozent niedriger als geplant.

Waldemar Geiger

 

G95 - Sturmgewehr Spezialkräfte - Technische Daten

Funktionsprinzip

Kurzhub-Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss

Kaliber

5,56 mm x 45

Magazinkapazität

30

Kadenz

850 Schuss/Minute

Rohrlänge

14,5’’: 368 mm

Gesamtlänge (Schulterstütze aus/eingeklappt)

HK416 14,5’’: 893/797 mm

Gewicht (ungeladen)

HK416 14,5’’: 3.490 g


Nachgefragt:

Kurzinterview mit Michael Fiedler, Leiter Business Unit Militär & Behörden, Heckler & Koch GmbH

ES&T: Welche Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass H&K die Variante A7 und nicht die A5 angeboten hat?

Fiedler: Dieses ist ein gutes Beispiel dafür, dass bei uns die speziellen Kundenwünsche im Vordergrund stehen. Durch unsere breite Kundenbasis und unseren Erfahrungsschatz können wir Kundenwünsche recht gut antizipieren und unser erfahrenes Konstruktions- und Produktionsteam ist in der Lage, diese dann in kürzester Zeit in die Realität umzusetzen. Dabei können schon geringste technische Anpassungen, die recht einfach umzusetzen sind, eine große positive Auswirkung für die Nutzer unserer Waffen haben. Die Implementierung der aus dem G36 bekannten Sicherungsarchitektur in das HK416A7 ist dafür ein gutes Beispiel. Oberflächlich betrachtet nur eine geringfügige Änderung, für die Truppe jedoch entscheidend. Die Soldaten haben sich durch unzählige Übungsstunden an gewisse Abläufe und eine spezielle Ergonomie gewöhnt. Diese findet sie nun im neuen Sturmgewehr Spezialkräfte wieder. Eine zeit- und kostenintensive Umschulung des „Muskelgedächtnisses“ ist nicht notwendig. Ein Umstieg auf das neue Gewehr kann so deutlich einfacher erfolgen.

 

ES&T: War die 45 Grad-Sicherung ein Kriterium in der Ausschreibung?

Fiedler: Ja, es war ein sogenanntes Soll-Kriterium. Dies heißt, Anbieter müssen dieses Kriterium für einen Zuschlag nicht zwingend erfüllen. Man bekommt jedoch zusätzliche Punkte, wenn man so ein Kriterium erfüllt.

Wir sind jedenfalls sehr froh, dass unser Team es geschafft hat, dieses Kriterium innerhalb kürzester Zeit, vor allem aber funktionssicher zu implementieren.

 

ES&T: Was war aus Hecker & Kochs Sicht die größte Herausforderung bei der Ausschreibung?

Fiedler: Vor allem die spezialkräftespezifischen Beschusszyklen stellen hohe Anforderung an die Funktionsfähigkeit und Präzision der Waffe. Das dann mit und ohne Signaturdämpfer und vor allem wiederholgenau. Die Funktionssicherheit ist für uns immer ein wesentliches Kriterium, eine fehlerfreie Funktion muss unter allen relevanten Umgebungsbedingungen gegeben sein.

Heckler & Koch ist es bewusst, dass die Handwaffe die Hauptbewaffnung des Kommandosoldaten ist. Daher resultiert selbstverständlich auch eine hohe Verantwortung für uns. So wie die deutschen Staatsbürger und Soldaten sich darauf verlassen, dass sie im Falle des Falles durch Kommandosoldaten aus brenzligen Situationen befreit werden. Es war unser Ziel, ein Sturmgewehr zu liefern, auf das sich der Kommandosoldat jederzeit verlassen kann.


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