Erste Kunden für RADIUS am Horizont
08.05.2018

Erste Kunden für RADIUS am Horizont


Radius

Während der ILA 2018 in Berlin gaben Vertreter von TDW und Kongsberg bekannt, dass RADIUS unter anderem für die weiterentwickelte Version des Naval Strike Missile (zukünftige Lenkflugkörperbewaffnung der deutschen Fregatten F 124, F 125 und MKS 180) im Gespräch sei. Weiterhin war zu vernehmen, dass eine Präzisionsbombe für den britischen Eurofighter ebenfalls mit RADIUS kampfwertgesteigert werden soll; dies wollte TDW jedoch nicht bestätigen.

Interesse an Skalierbarkeit von Wirkung wächst

Die Möglichkeit der Skalierung von Wirkung kann im Prinzip auf zweierlei Wegen erreicht werden. Der erste Weg ist organisatorisch. Militärische Planer und Führer bedenken im Vorfeld eines Einsatzes, welche Wirkungskategorien sie vorhalten möchten und führen einen Mix an Bewaffnung mit, um vor dem Einsatz der Bewaffnung eine Entscheidung über den gewünschten Grad und das Ausmaß der Wirkung treffen zu können. Dieser Weg ist seit Jahrzehnten die Regel, stößt aber immer dann an seine Grenzen, wenn beispielsweise kein Waffenmix zur Verfügung steht, weil auf einer Trägerplattform nur eine Waffenart integriert werden kann oder Waffen aus unterschiedlichen Gründen gerade nicht zur Verfügung stehen.

Der zweite Weg ist ein technologischer. Dabei sollen Waffen befähigt werden, bei Bedarf nur einen Bruchteil ihres Wirkungspotenzials zu entfalten. Den Streitkräften ermöglicht dies, Plattformen nur mit einem Effektor zu bestücken und erst kurz vor dem Einsatz der Waffe – teilweise sogar erst kurz vor Erreichen des Ziels – über das Ausmaß der Wirkung im Ziel zu entscheiden.

Deutsche Technologieführerschaft

Weltweit hat derzeit nur TDW, eine Tochter der deutschen MBDA, eine Lösung präsentiert, die ausgereift ist und sofort in Wirkmittel integriert werden könnte: RADIUS (Range Adaptable Device Incorporating Unit Scaling), als eine Möglichkeit, das Wirkpotenzial einer Bombe, eines Lenkflugkörpers oder einer Artilleriegranate auf einer Skala von theoretisch 10 bis 100 Prozent flexibel festzulegen. Einzige Voraussetzung ist eine hinreichende Eigenpräzision des Wirkmittels.

Zur Funktionsweise von RADIUS gibt das Unternehmen folgendes an: „Durch eine Kombination aus kontrollierter Deflagration und Detonation erlaubt es RADIUS, nur die Wirkung eines vorherbestimmbaren Teils des in einem Gefechtskopf vorhandenen Sprengstoffs zu nutzen. Dabei wird durch subdetonative Reaktionsprozesse in erster Linie die Anfangsgeschwindigkeit der Splitter reduziert, was zu einer Verringerung der Wirkungs- und damit der auch potenziellen Kollateralschadensfläche führt.“

Im Zielgebiet wirkt sich dies dahingehend aus, dass der Wirkschaden bis kurz vor dem Einschlag mit demselben Wirkmittel von mehreren hundert Metern auf einige wenige Meter begrenzt werden kann. Dies hat zwei operationelle Vorteile:

Erstens wird die Möglichkeit von Kollateralschäden auf ein Minimum reduziert. Zweitens kann mittels RADIUS weiterhin punktuell eine große Wirkung erzielt werden, und somit können auch gehärtete Strukturen sowie stark gepanzerte Fahrzeuge in dicht bebauten urbanen Strukturen gezielt bekämpft werden, ohne die unmittelbare Umgebung zu gefährden.

Waldemar Geiger


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