Der Kampfpanzer Leopard 2 A7V - Aufwuchs bei den gepanzerten Kampftruppen
24.10.2017

Der Kampfpanzer Leopard 2 A7V - Aufwuchs bei den gepanzerten Kampftruppen


Leopard 2 A7V

Ab 2019 werden der Bundeswehr 104 Kampfpanzer (KPz) Leopard 2 in der neuen Version A7V zulaufen.

Mit Abschluss des Projektes 2023 stehen dem Heer dann 320 KPz Leopard 2 zur Verfügung. Der Vertrag mit einem Finanzvolumen von ca. 760 Millionen Euro wurde am 5. Mai 2017 unterzeichnet.

Nachdem über Jahre die Kampfpanzerzahl schrittweise abgebaut wurde, erfolgte auf Basis einer sicherheitspolitischen Neubewertung im April 2015 der Entschluss, diesen Prozess umzukehren. Das bis dahin vorgegebene Ziel, bis Ende 2015 die Stückzahl der Kampfpanzer auf 225 zu reduzieren, wurde aufgegeben und die Außerdienststellungen bei der Anzahl 236 gestoppt.

Durch die Ministerin wurde im April 2015 entschieden, eine Stückzahlerhöhung durch Rückkauf von 100 im Industriebesitz befindlichen älteren KPz Leopard 2 A4 und Übernahme von 16 KPz Leopard 2 A6 aus niederländischen Beständen zu realisieren. Zudem wurde die schrittweise Modernisierung dieser Fahrzeuge angeordnet.

Von den 100 zurückgekauften Fahrzeugen fließen 68 in das Aufwuchsprogramm, die übrigen 32 werden für noch genauer zu definierende Umbauten in Unterstützungsfahrzeuge wie die neue Gefechtsfeldbrücke, den Nachfolger des Pionierpanzer Dachs oder andere zurückgehalten. Ziel ist die langfristige Umstellung aller Familienfahrzeuge auf die Basis Leopard 2, um die logistische Gleichheit zum KPz zu erreichen.
Mit der Modernisierung sollte möglichst ein höheres Niveau als die Version A7 erreicht werden. Damit waren auch die 16 niederländischen Leopard 2 A6 und die bereits vorhandenen deutschen Leopard 2 A7 auf den einheitlichen höheren Rüststand aufzurüsten. Hauptaugenmerk lag aber eindeutig auf der Stückzahlerhöhung. Die Verbesserungen durften weder den vorgegebenen Finanzrahmen sprengen, noch den Zeitplan gefährden. Damit fielen alle noch nicht zu Ende entwickelten bzw. mit hohem Aufwand zu qualifizierenden Möglichkeiten aus der Betrachtung.

Dieses spiegelt sich auch in der Bezeichnung der neuen Version wider, die nicht um eine weitere Zahl steigt, sondern nur den Zusatz „V“ wie verbessert bekommt. Sind alle geplanten Fahrzeuge umgerüstet, kann der Zusatz „V“ wieder entfallen. Es sei der Hinweis erlaubt, dass sich zudem eine Namensüberschneidung mit dem A7V von 1918 ergibt, der vor ziemlich genau 100 Jahren als erster deutscher Panzer auf dem Gefechtsfeld erschien.

Mit dem Maßnahmenpaket wird letztlich der Investitionsstau der letzten 15 Jahre abgebaut und der KPz Leopard 2 auf einen soliden und spürbar leistungsgesteigerten Stand gebracht, ohne allerdings wieder den gleichen Vorsprung zu vergleichbaren Systemen zu erhalten, wie seinerzeit bei Einführung in den 1980er Jahren.

Änderungen / Technische Maßnahmen

Wie schon beim KPz Leopard 2 A7 setzen sich die Änderungen nicht nur aus leistungssteigernden, sondern auch aus ergänzenden Maßnahmen zusammen. Die neue Version setzt technisch auf seinem Vorgänger auf. Die dort eingebrachten Modernisierungen haben sich grundsätzlich bewährt. Insgesamt stellt sich das System nach der erneuten Aufrüstung als von vielen Obsoleszenzen und Schwachstellen bereinigt und für weitere Anpassungen offen dar.

Der Fahrgestellbug erhält ein zusätzliches Schutzmodul, welches bereits aus internationalen Programmen bekannt ist. Die Möglichkeit, bei Bedarf Zusatzpanzerungselemente für den Rundumschutz zu montieren, wird konsequent umgesetzt, sodass im Bedarfsfall außer dem eigentlichen, einfach gestalteten Anbau keine zusätzlichen, kosten- oder zeitintensiven Maßnahmen erforderlich sind. Die Erhöhung des Schutzes war eine hoch priorisierte Forderung des Bedarfsträgers.

Seit den Ursprüngen des KPz Leopard 2 ist der Bereich des Antriebsstranges quasi unverändert, während das Gewicht seit der Version A5 bei jeder Kampfwertsteigerung zugenommen hat. Bei nahezu unveränderter Endgeschwindigkeit hatte sich dadurch das Beschleunigungsverhalten zunehmend verschlechtert. Ein bereits vor einigen Jahren begonnenes Programm zur Verbesserung der Mobilität ermöglicht es nun, die einzelnen Maßnahmen als Paket in die Serie des A7V einzubringen. 70 Tonnen sind als Gefechtsgewicht nun qualifiziert. Da dieser Wert selbst mit den Zusatzschutzpaketen derzeit nicht erreicht wird, ist noch hinreichend Spielraum für spätere Änderungen.

Kernelement sind im Übersetzungsverhältnis geänderte Seitenvorgelege, mit denen man sich dem alten Beschleunigungsverhalten annähert. Mit dieser Änderung wird der Panzer in die Lage versetzt, den taktisch wichtigen Sprung aus der Deckung wieder adäquat durchführen zu können. Erkauft wird dieser Vorteil durch Abstriche bei der maximalen Geschwindigkeit, welche aber ohnehin eher eine Nenngröße ohne praktischen Nutzen ist. Um das den erhöhten Kräften ausgesetzte Getriebe zu härten, aber auch um im Laufe der Jahre erkannte Schwachstellen abzustellen, sind Änderungen eingebracht, die eine Dauerfestigkeit sicherstellen, aber die grundsätzliche Konstruktion beibehalten. Weiterhin werden eine dem Gewicht angepasste Kette und verstärkte Drehstäbe verbaut.

Verbessert wird die Nachtkampffähigkeit durch ein Wärmebildgerät der dritten Generation beim Richtschützen sowie den Einsatz eines neuen Fahrernachtsichtgerätes mit Wärmebildanteil für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt. Mit dem Wärmebildgerät kommt ebenfalls ein neuer Laserentfernungsmesser mit höherer Genauigkeit zum Einsatz.
Das über das Projekt Energie- und Kampfraumkühlanlage (EKKA) in der Version A7 eingeführte Klimaaggregat zur Kühlung des Kampfraumes wird durch ein neues ersetzt. Zwar hat sich das derzeit eingebaute grundsätzlich bewährt, mittlerweile steht aber ein Gerät zur Verfügung, das leistungsgleich im identischen Bauraum zusätzlich eine ABC-Schutzbelüftungsanlage beinhaltet. Der alte ABC-Anlagenraum kann nun für eine weitere Kühlanlage speziell für den Fahrer genutzt werden. Mit einem Schlauch wird die temperierte Luft nun auch in den Fahrerraum geführt. Damit wird die bereits für die EKKA geforderte Möglichkeit zur Kühlung auch des Fahrerplatzes nun realisiert.

Weitere kleinere Anpassungen sind als Folgemaßnahmen der bisher genannten neu einzubringen. So machen die externen Änderungen eine Anpassung der Multispektral-Schutzausstattung (Barracuda) erforderlich. Um die bisher schwerste Munitionsart, die Sprengpatrone DM11, ohne Einschränkung bei Verstauort und Anzahl mitführen zu können, werden die Munitionshalterungen überarbeitet.

Weitere Maßnahmen haben ihren Ursprung bzw. ihre Einführung nicht direkt der Verbesserung des KPz zur Version A7V zu verdanken. Sie gehören in den Bereich Obsoleszenz- und Schwachstellenbeseitigung. Dazu zählen die digitalisierte Steuerung der elektrischen Nachführanlage und ein neuer Kommandanten-Monitor. Diese werden mit der Version A7V beginnend eingeführt, langfristig aber auch in den älteren Versionen zu finden sein.

Aufgrund ihres Alters werden alle Motoren generalüberholt. Der dazu notwendige Zerlegungsgrad wird genutzt, um Teile zu verbauen, die für eine eventuelle spätere Leistungssteigerung zwingend sind. Bei einer späteren Realisierung der Leistungssteigerung sind nur noch Modifikationen von außen erforderlich. Eine erneute zeit- und kostenintensive Zerlegung entfällt dann.

Zeitplan

Zunächst werden zwei vorgezogene Serienfahrzeuge für die Nachweisführung und die Einsatzprüfung ausgeliefert. Basis für diese Fahrzeuge sind Kampfpanzer der Version A7, um diese Fahrzeuge zeitgerecht Ende 2019 zur Verfügung zu haben. Dann erfolgt die Übergabe der auf A6-basierenden A7V im Jahr 2020, direkt gefolgt von den umgerüsteten 68 zurückgekauften KPz Leopard 2 A4. Die restlichen 18 KPz Leopard 2 A7 werden als letzte der Umrüstung zugeführt, um diese zurzeit modernste Version möglichst lange für die Truppe verfügbar zu halten und erst dann einzusteuern, wenn eine gewisse Anzahl A7V zur Verfügung steht.

Resümee Projektarbeit

Für die Projektarbeit sind zu jeder Zeit vorgegebene Rahmenbedingungen einzuhalten. Diese führen zu Zeitabläufen, die nicht durch das Projektmanagement beeinflussbar sind.
So wurde festgelegt, dass der Fähigkeitsaufwuchs Panzertruppe in einer Fähigkeitslücke und funktionale Forderung (FFF) zu beschreiben ist. Der erforderliche Abstimmungs- und Mitprüfungsaufwand bedurfte Zeit, erzeugte aber als Ergebnis ein Dokument, welches nicht nur die jetzigen Maßnahmen begründet, sondern auch die Begründung für weitere Kampfwertsteigerungen in Zukunft abbildet.
Unabhängig von der ministeriellen Entscheidung zum Aufwuchs der Kampfpanzerzahl ist die Zusage des für den Haushalt Verantwortlichen zur Finanzierbarkeit des Projekts notwendig, um wichtige interne Arbeitsschritte beginnen zu können. Diese erfolgte am 26. Juli 2016.

Die Projektleitung hat sowohl als Selbstanspruch als auch klar von der Industrie eingefordert, realistische Zeitpläne erarbeitet, die nicht wie bei manch anderen Projekten von der Realität überholt werden sollten. Diesem Anspruch konnte das Projektmanagement in Zusammenarbeit mit den Abteilungen des BAAINBw und dem Ministerium gerecht werden.
Dem unbedachten Beobachter mag es als recht lang erscheinen, dass zwischen Ankündigung der Ministerin und der Auslieferung des ersten Fahrzeuges an die Truppe viereinhalb Jahre liegen. Der Zeitplan mit den nun mal zwingend erforderlichen Schritten wurde trotz hohem Erwartungs- und Arbeitsdruck exakt eingehalten. Die parlamentarische Behandlung und damit auch der Vertragsschluss konnten sogar um etwa vier Wochen vorgezogen werden.
Auch muss berücksichtigt werden, dass bei Herstellung und Beschaffung von Kampfpanzern andere Gesetzmäßigkeiten herrschen als z. B. bei einem Personenkraftwagen. Insbesondere die Beschaffung von sogenannten Langläuferteilen und die vergleichsweise geringen Stückzahlen lassen ad-hoc Entscheidungen und Großserieneffekte nicht zu. Eine weitere zeitintensive Besonderheit ist auch die Hochrüstung von Leopard 2A4, in die die strukturverändernden Maßnahmen der bereits an den moderneren KPz-Versionen durchgeführten Kampfwertsteigerung II eingebracht werden müssen. Die Unterlagen dazu wurden vor über 20 Jahren erstellt.

Die Realisierung liegt nun in der Hand des Generalunternehmers, der Firma KMW sowie der Zulieferer, zu der quasi alle bekannten Namen der deutschen Wehrtechnischen Industrie, wie Rheinmetall, MTU, Renk und weitere gehören.

Wesentliche Änderungen A7V (bildhafte Darstellung)
• Anhebung Fahrgestellbugschutz
• Verstärkung Antriebsstrang
• Verbesserung Nachtsicht Fahrer
• Verbesserung Nachtsicht Kommandant
• Umsetzung Kühlkonzept (mit Verlegung ABC-Anlage)

Aussicht

Aufgrund der Vorgaben für Zeit und Finanzen fielen mehrere Möglichkeiten der Verbesserung aus der Betrachtung, obwohl sie auf den ersten Blick logisch gewesen waren.
Prominent waren hier u. a. eine nochmals verstärkt digitalisierte Feuerleitanlage, welche autonome Zielverfolgung (Tracking) ermöglicht, eine Waffenstation und ein aktives Hard-Kill-Schutzsystem.
Diese und weitere geforderte Fähigkeiten sind in der FFF aufgeführt und als grundsätzliche Forderungen akzeptiert. Entgegen anderen Darstellungen erfüllten keine der sogenannten marktverfügbaren Lösungen den Entwicklungsstand und die Akzeptanz zur Übernahme in das aktuelle Programm. Die technische Umsetzung und Realisierung werden außerhalb des A7V-Programmes weiter verfolgt und mittels Gesamtsystemdemonstrator zur erforderlichen Reife gebracht. Über die Einführung wird dann zeitgerecht entschieden.
In Abhängigkeit zur zeitlichen Realisierung des Nachfolgesystem Main Ground Combat System wird dies wahrscheinlich noch zu einem KPz Leopard 2 A8 führen. Für eine derartige Umrüstung werden dann grundsätzlich alle vorhandenen Versionen betrachtet. Um sich nicht schon jetzt auf nur eine neue Version einschränken zu müssen, werden diese potenziellen Weiterentwicklungen daher unter dem Sammelbegriff Leopard 2 Ax geführt.

Entwicklungpotenzial Ax (bildhafte Darstellung)
• Aktiver Schutz (Hard-kill)
• Waffenstation
• Leistungssteigerung Triebwerk 1.200 kw
• Verbesserung Munition (KE)
• Rundumsicht
• Zielverfolgung (Tracking)

International ist zu beobachten, dass nicht wenige der zur den Leopard-Benutzerstaaten (LEOBEN) gehörenden Nationen sich sehr für die Programme A7, A7V und Ax interessieren. Das aktuelle dänische Programm lehnt sich z. B. sehr stark an das deutsche an. Im Sinne der gemeinsamen technisch-logistischen Betreuung, der Kostenreduzierung durch Gleichheit wo möglich und des Erfahrungsaustausches ist ein gemeinsamer Ansatz mehrerer Nutzerstaaten höchst erstrebenswert. In den entsprechenden Arbeitsgruppen der LEOBEN-Organisation wird dieses Ziel aktiv verfolgt.

Trendwende gepanzerter Kampf

Betrachtet man den Aufwuchs beim Kampfpanzer zusammen mit der Einführung des SPz Puma, dem unlängst geschlossenen Vertrag zur Gefechtsfeldbrücke (Leguan auf Basis Leopard 2) und dem Projekt Gepanzerte Pioniermaschine, so wird der Neubewertung Gepanzerter Kampf auch im Bereich der Familienfahrzeuge Rechnung getragen.
Bei der langfristigen Betrachtung von Nachrüstprogrammen müssen aber das tatsächliche Alter des Leopard 2, sein immer noch vorhandenes Auswuchspotenzial und der Zeitbedarf für ein Ablösesystem in Einklang gebracht werden. Bis zur bedarfsgerechten Einführung eines Nachfolgesystems muss die stetige Verbesserung der gesamten Kampfpanzerflotte und ihrer gepanzerten Unterstützungsfahrzeuge das Ziel sein.

 

Autor: Oberstleutnant Frank Lobitz ist Angehöriger des BAAINBw und stellvertretender Projektleiter der Projektleitung Leopard 2.

Der Beitrag ist erstmalig in der Juli 2017 Ausgabe der Europäischen Sicherheit & Technik erschienen.


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