Das HK433 - Die neue Gewehrfamilie von Heckler & Koch
03.02.2017

Das HK433 - Die neue Gewehrfamilie von Heckler & Koch


Heckler & Koch bringt mit dem HK433 eine neue – und damit die vierte – Gewehrfamilie auf den Markt, die sich aufgrund ihres Konzepts und der technischen Merkmale sehr gute Chancen als Nachfolgekandidat des G36 der Bundeswehr ab 2019 ausrechnen kann. Das HK433 vereint die kampferprobten Sturmgewehrfamilien G36 und HK416 in einem neuen Sturmgewehrsystem.

 

Die Handhabung und Funktion des HK433 wurde laut Hersteller vom G36 übernommen. Hierzu zählen die Verschluss- und Magazinauslösung, der Feuerwahlhebel, die verstellbare und umklappbare Schulterstütze sowie die vom G36 stammende und von den Soldaten geschätzte Zuverlässigkeit und Funktionssicherheit unter allen Gefechtsfeldbedingungen. Vom HK416 stammen die weit überdurchschnittliche Präzision in Extrem-Szenarien sowie die Modularität. Im Detail wurde hier der Rohraufbau und dessen Aufnahme auf das HK433 übertragen. Weiter legte Heckler & Koch Wert auf die Trennung von Gehäuseober- und Unterteil, um beide Bedienkonzepte (G36 und HK416) anbieten zu können. Die lange und durchgehende Visierschiene (nach NATO-STANAG 4694) des monolithischen Gehäuseoberteils, die niedrige Visierlinie, der Magazinschacht nach NATO-STANAG 4179 (Draft) sowie der Handschutz mit der Bundeswehrstandardisierten Schlüsselloch-Schnittstelle „HKey“ sind weitere Komponenten die sich im HK433 wiederfinden. Zuletzt und den Qualitätsansprüchen des Herstellers entsprechend deckt das HK433 in Funktion und Zuverlässigkeit das von der NATO definierte Temperaturband – also von extrem heißen Temperaturen bis hin zu extremer Kälte – problemlos ab. Das HK433 hat somit nicht einen Vorgänger, sondern gleich zwei,
von denen die jeweils besten Merkmale zu kombinieren waren, um ein neues, auf den Bedarf der Nutzer optimiertes System zu realisieren. Das Waffengewicht – mit der mittleren 16,5" Rohrlänge – liegt bei nur rund 3,5 kg.

Waffenfamilie – Kaliber und Rohre

Das HK433 im Standard-Kaliber 5,56 mm x 45 bildet die Basis einer ganzen Sturmgewehr-Familie. Weitere Kaliber, wie 7.62mm NATO (HK231), .300 Blackout und 7.62mm x 39 Kalaschnikow (HK123) seien laut Hersteller bereits konzeptionell berücksichtigt. Die Rohrlängen sind jeweils flexibel wählbar – im Kaliber 5.56mm NATO sind dies: 11", 12,5", 14,5", 16,5", 18,9" und 20" – und lassen sich für den jeweiligen Einsatz auf Anwender- oder Instandsetzungsebene tauschen. Die Rohre sind kaltgehämmert, gehärtet und innen hartverchromt. Laut Hersteller konnte durch Optimierungsmaßnahmen die Lebensdauer der Heckler & Koch-Waffenrohre gegenüber den an sich schon sehr robusten Vorgängermodellen noch einmal deutlich gesteigert werden. Zudem sind die Rohre serienmäßig mit einer weiterentwickelten und werkzeuglos verstellbaren Gasabnahme für den Betrieb mit einem Signaturdämpfer sowie einer Schnittstelle für die 40mm Anbau-Granatwerfer HK269 und GLM/GLMA1 ausgestattet. Ein Bajonetthalter lässt sich optional auf den Rohren anbringen. Hinsichtlich des Funktionsprinzips ist das HK433 ein indirekter Gasdrucklader mit Kurzhub-Gaskolbensystem. Das Gehäuseoberteil aus hochfestem Aluminium verfügt über eine durchgängige präzise Visierschiene nach NATO-STANAG 4694. Bei maximaler Länge und niedriger Visierhöhe lassen sich somit alle marktverfügbaren Visiereinrichtungen und Nachtsichtvorsätze montieren. Hinzu kommt ein wartungsfreier und – laut Heckler & Koch – nicht manipulierbarer Schusszähler im Innern des Gehäuses, von dem sich die Waffendaten kabellos übermitteln lassen. „Die integrierte G36-Verschlussführung des Gehäuseoberteils gewährleistet eine konstant hohe Funktionssicherheit und Zuverlässigkeit der Waffe. Konstruktiv basiert der Verschluss auf dem des G36, verfügt aber über eine Schlagbolzensicherung sowie über selbstschmierende Gleitelemente“, lautet die Beschreibung des Herstellers.

Integrierte Schließhilfe, nicht mitlaufender Durchladehebel und „gesichertes Durchladen“

„Der seitlich flach anliegende, nicht mitlaufende Durchladehebel ist werkzeuglos umbaubar und beidseitig bedienbar. Zudem besitzt er eine integrierte Schließhilfefunktion zur geräuscharmen Zuführung der Patrone ins Patronenlager. Während der Schussabgabe verharrt der Durchladehebel in seiner Position. Zum einen erhöht sich dadurch die Sicherheit des Schützen in Stresssituationen, zum anderen stehen dem Schützen uneingeschränkte Halte und Anschlagsoptionen offen. Durch die ergonomisch optimale Positionierung des Durchladehebels kann die Waffe beim Durchladevorgang im Ziel gehalten und auch im Liegen ohne Erhöhung der Köpersignatur bedient werden“, beschrieb Heckler & Koch die weiteren technischen Details.

„Das austauschbare Gehäuseunterteil definiert das gewünschte Bedienkonzept und reduziert dadurch den Ausbildungsaufwand des Schützen. Je nach Schießausbildung kann der Schütze zwischen G36 oder HK416/AR-15 Bedienkonzept wählen. Alle Bedienelemente sind beidseitig angebracht, symmetrisch angeordnet und können auf Kundenwunsch konfiguriert werden. Drop-in-Lösungen des Gehäuseunterteils erweitern den Funktionsumfang der Waffe in Bezug auf individuell konfigurierbare Matchabzüge oder bevorzugte Abzugsgruppenkombinationen. Der Magazinschacht nach NATO-STANAG 4179 (Draft) stellt die Interoperabilität der Waffensysteme G36 mit Wechselmagazinschacht, dem HK416 sowie den marktgängigen AR-15 Plattformen sicher. Die Griffschnittstelle orientiert sich an der HK416-Waffenfamilie. Griffstücke mit austauschbaren Griffschalen und Griffrücken analog der P30 und SFP/VP Pistolenserie sind möglich.“

Ergonomie und Sicherheit

Wie bereits im HK416, wird auch im HK433 der Slim Line Handschutz, eine Eigenentwicklung von Heckler & Koch, genutzt. Dieser ist formschlüssig und spielfrei mit dem Gehäuseoberteil verbunden. Das Lösen des Handschutzes ist ohne Werkzeug möglich, zudem bietet das Element Trageriemenbefestigungsmöglichkeiten, modulare HKey-Schnittstellen auf 3 und 9 Uhr, sowie eine durchgängige Picatinny-Schiene nach MIL-STD-1913 auf 6 Uhr. Eine Besonderheit ist die mit höhenverstellbarer Wangenanlage versehene, abklappbare und längenverstellbare Schulterstütze, deren Ergonomie gegenüber der Slim Line Schulterstütze des HK416 und der IdZ-Schulterstütze des G36 geändert wurde. Die Längenverstellung bietet dabei fünf Rastpositionen und ist damit dynamisch an die jeweilige Schutzausstattung des Schützen anpassbar. Weiter besteht die die Möglichkeit, die Schulterstütze in jeder Raststellung nach rechts abzuklappen. Der Abzug bleibt dabei frei zugänglich. Auch der Hülsenauswurf wird nicht verdeckt, so dass in diesem eigentlichen „Transportzustand“ im Notfall eine Verteidigungsfähigkeit bei z. B. überraschendem Angriff sichergestellt wird. Verschiedenste Tarnfarben und infrarotabsorbierende Beschichtungen sind laut Hersteller auf Kundenwunsch realisierbar.

Marktperspektiven

Mit dem HK433 ist Heckler & Koch eine Überraschung gelungen, die das Unternehmen nicht nur im Wettbewerb um die Vergabe der neuen Sturmgewehre der Bundeswehr chancenreich positioniert, sondern auch im internationalen Markt Maßstäbe setzt. Dies ist nicht zuletzt dadurch gewährleistet, dass es hinsichtlich Bedienfreundlichkeit, Ergonomie und Zuverlässigkeit auf den Erfahrungen aufbaut, die weltweit mit dem G36 und dem HK416 gesammelt wurden. Zahlreiche Systemelemente können daher bereits das Label „einsatzerprobt“ tragen, auch wenn die Gewehrfamilie an sich neu ist.

Zu betrachten ist ferner auch der politische Kontext. Die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik erfährt derzeit neue Impulse, und damit verstärkt sich auch der Trend zu einer Harmonisierung der militärischen Beschaffung. Bereits heute rüsten zahlreiche europäische Staaten ihre Streitkräfte mit Standard-Sturmgewehren aus dem Hause Heckler & Koch aus – besonders hervorzuheben sind hier etwa Deutschland (G36), Frankreich (HK416AIF), Norwegen (HK416), Spanien (G36), Litauen (G36) und Großbritannien (SA80). Zahlreiche westliche Spezialkräfteeinheiten – ob militärisch oder behördlich – nutzen bereits heute Waffen von Heckler & Koch. Mit dem HK433-Konzept setzt das Unternehmen auf eine interoperable und zugleich individuellen Bedarfen Rechnung tragende "Einheitsbewaffnung" der Streit- und Sondereinsatzkräfte in Europa. Auch vor diesem Hintergrund darf erwartet werden, dass die neue Gewehrfamilie ihre Chancen auf dem europäischen Markt nutzen wird.

 

Dieser Beitrag von Dorothee Frank ist exklusiv am 01. Februar 2017 in der Europäischen Sicherheit und Technik 02-2017 erschienen.


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