Bundeswehr erhält SVFuA
28.06.2017

Bundeswehr erhält SVFuA


Man möchte fast sagen: Endlich geschafft! Nach mehreren Jahren Tauziehen, dann den weiteren Verzögerungen und Verschiebungen seit Dezember letzten Jahres (als es ursprünglich bereits durch den Ausschuss sollte), hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages heute die so genannte 25-Mio-Vorlage zur Beschaffung der Streitkräftegemeinsamen Verbundfähigen Funkgeräteausstattung (SVFuA) genehmigt. Damit ist der Weg frei für die Ausrüstung von insgesamt 50 Führungsfahrzeugen Schützenpanzer (SPz) Puma bzw. Gepanzerten Transportkraftfahrzeugen (GTK) Boxer.

Die Bundeswehr hatte sich bereits im Jahr 2007 entschieden, in softwarebasierte Funkgeräte (Software Defined Radio – SDR) zu investieren. Klassische Funkgeräte mit ihren Verstärkern, Modulatoren, Filtern, Analog/Digital (A/D)-Wandlern usw. sind mit dedizierter Hardware aufgebaut. Moderne Halbleiterbauelemente sowie auch integrierte Schaltkreise fanden auch in Funksystemen zunehmend Verwendung, jedoch war ein Funkgerät auf eine, oder wenn überhaupt, auf wenige Funkverfahren in einen bestimmten Frequenzbereich beschränkt. Mit immer leistungsfähigeren digitalen Signalprozessoren und A/D-Wandlern sowie Filterbausteinen und Werkzeugen zur Softwareentwicklung wurde es in den letzten 10 Jahren technologisch möglich, die im klassischen Funkgerät analoge Signalverarbeitung nunmehr digital durchzuführen und die A/D-Wandlung immer weiter in Richtung des Endverstärkers und der Antenne bzw. vice versa zu verschieben. Es hat sich dabei der Begriff Wellenform als dem algorithmischen Zusammenhang zwischen den zu übertragenden Nachrichten (z. B. Sprache oder Daten) und der an der Antenne abzustrahlenden oder zu empfangenden elektromagnetischen Welle etabliert. Eine gewisse internationale Standardisierung mit der sogenannten „Software Communications Architecture“ hat Hilfestellung beim Design der Hard- und Software eines SDR einschließlich der der Integration der nationalen Kryptobausteine gegeben.

Die Streitkräftegemeinsame Verbundfähige Funkgeräteausstattung (SVFuA) ist als Mehrliniengerät konzipiert. Ein Grundgerät realisiert die digitale Signalverarbeitung und stellt die Schnittstellen zu den möglichen Endgeräten wie einer Bordverständigungsanlage, einem Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) oder einem Führungsinformationssystem (FüInfoSys), aber auch zu Routerfunktionalitäten der bis zu drei Funklinien sowie die Verschlüsselung der zu übertragenden Sprache und Daten zur Verfügung. Die mit dem Grundgerät über eine optische Schnittstelle verbundenen Sende-/Empfangs-Module wandeln die digitalen Signale in die Signale für den Endverstärker um und geben diese an die Antenne ab. Es wurden Sende-/Empfangs-Module für den Frequenzbereich High Frequency (HF) (1,5 bis 30 MHz), Very/Ultra High Frequency (V/UHF) (30 bis 600 MHz) und ein Breitbandmodul (600 MHz bis 3 GHz) sowie die zu SVFuA gehörenden Systemkomponenten entwickelt. Mit dem Projekt SVFuA wurden die Standard NATO Wellenformen für den Truppenfunk, die Wellenformen der eingeführten SEM-Funkgeräte, die MAHRS/TIGER Wellenform sowie eine netzwerkfähige Wellenform implementiert. Um diese Wellenformen auf die SVFuA – ähnlich einer App auf ein Smartphone – zu bringen und neue Wellenformen entwickeln zu können, wurde ein eigener Entwicklungsprozess implementiert. Durch Portierung der oben angesprochenen Wellenformen auf die SVFuA konnte dieser Prozess der Entwicklung, Implementierung und Zulassung einer Wellenform einschließlich Wellenformen von Drittanbietern validiert werden. In Tests sowohl durch die beteiligten Stellen des Amtes als auch durch die zukünftigen Nutzer sowie Abnahmen im Rahmen der integrierten Nachweisführung wurden die Fähigkeiten zur parallelen Sprach- und Datenübertragung sowie Videoübertragung nachgewiesen, ebenso auch prototypisch die parallele und geschützte Übertragung von Daten und Sprache.

Das jetzt verfügbare SVFuA unterstützt die geschützte Funkkommunikation bis zum Geheimhaltungsgrad GEHEIM bzw. NATO SECRET. Die diesbezügliche Zulassungsfähigkeit wurde vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Februar 2016 bestätigt. Damit zeichnet sich die SVFuA, insbesondere bezüglich der integrierten Kryptologie, als zukunftsfähige Komponente im Bereich dieser Schlüsseltechnologie aus.

Die Entwicklung SVFuA war allerdings von verschiedenen technologischen Herausforderungen geprägt, sie hat sich auch gegenüber den zu Beginn getroffenen Annahmen verzögert. Das Design musste an verschiedene Parameter, hier seien mechanische, thermische und elektrische Faktoren genannt, angepasst werden. Die Entwicklung SVFuA wird im Mai 2016 abgeschlossen. Damit steht der Bundeswehr mit SVFuA nun also ein Funksystem zur Verfügung, mit dem die geschützte Funkkommunikation der Bundeswehr auch in der Zukunft sichergestellt und die mobile taktische Kommunikation nach modernen Gesichtspunkten ermöglicht wird. Die Fähigkeitslücke im Bereich der mobilen, flexiblen und geschützten Funkkommunikation kann damit geschlossen werden, die Bundeswehr erhält eine skalierbare, rekonfigurierbare und damit zukunftsfähige Funkgeräteplattform. Die gängigen Anforderungen, insbesondere die zur Vernetzung verschiedener Plattformen an unterschiedliche Szenarien, können durch die Implementierung von Wellenformapplikationen bedarfs- und situationsgerecht ohne Änderung der Funkausstattung in den jeweiligen Plattformen erfüllt werden. Damit wird die Gerätevielfalt deutlich reduziert werden, es ergeben sich signifikante Skaleneffekte hinsichtlich der Ausbildung und der Logistik.

Mit dem nun „abgesegneten“ ersten Los sollen insgesamt 50 Führungsfahrzeuge des SPz Puma sowie des GTK Boxer mit SVFuA ausgestattet werden. Zugleich sind Ausbildungsanlagen für die Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr in Pöcking und das Ausbildungszentrum Technik Landsysteme in Aachen sowie eine Test- und Referenzanlage an der Wehrtechnischen Dienststelle 81 in Greding vorgesehen. SVFuA bildet aufgrund der Modularität und der Möglichkeit zur Anpassung des Funktionsumfangs durch Nachladen von Software eine vielseitige und zukunftsfähige Funkgeräteausstattung. Durch die Verwendung einer netzwerkfähigen Wellenform wird sie um die Fähigkeit zum Bilden von Ad-hoc-Netzwerken erweitert. Mittels der integrierten Routingtechnologie und der Verwendung des Internet-Protokolls fügt sie sich in das IT-System der Bundeswehr (IT-SysBw) ein und bindet Teilnehmer an das Kernnetz des Mobilen Kommunikationssystems Bundeswehr (MobKommSysBw) an. Über die verfügbaren multifunktionalen Schnittstellen können künftige und bestehende informationsverarbeitende Systeme wie Führungsinformationssysteme sowie Führungs- und Waffeneinsatzsysteme über SVFuA kommunizieren. SVFuA schafft somit wichtige Voraussetzungen für die vernetzte Operationsführung und ermöglicht die Nutzung moderner, vernetzter Informationstechnologie in hochmobilen Einsätzen und darüber hinaus.


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