Bundeswehr beschafft IdZ - ES für über 2.460 Soldaten
28.06.2017

Bundeswehr beschafft IdZ - ES für über 2.460 Soldaten


Vergangene Woche entschied der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über eine bis dato einmalige Anzahl an so genannten 25-Mio-Beschaffungsvorlagen aus dem BMVg. Es war die vorletzte mögliche Sitzung vor der Sommerpause – und somit aufgrund der Wahl auch in dieser Legislaturperiode – in der das Verteidigungsministerium noch Vorlagen zur Entscheidung einbringen konnte. Die letzte mögliche Sitzung findet heute statt. Mit dabei in diesem Marathon war die Beschaffung von insgesamt 68 Zugausstattungen des Soldatensystems „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ (IdZ – ES). Nun fand die Vertragsunterzeichnung zwischen dem Hersteller Rheinmetall und dem Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnologie und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) statt. Die Auslieferung an die Truppe soll 2018 beginnen und Ende 2020 abgeschlossen sein. Mit den 68 Zugsystemen lassen sich über 2.460 Soldaten ausrüsten.

Die modulare Kampfausstattung IdZ-ES bindet die abgesessen operierenden Soldaten in die vernetzte Operationsführung ein. Hierbei wird das „Gesamtsystem Infanterie“, also der Infanterie- bzw. Panzergrenadierzug mit Fahrzeugen und den darin verbauten Basisstationen, in die vernetzte Operationsführung eingebunden. Besonders hervorzuheben ist dabei das Kern- und Helmsystem. Der über einen Akkupack mit Energie versorgte Kernrechner – beides wird auf dem Rücken getragen und daher als Elektronischer Rücken bezeichnet – steuert über diverse Schnittstellen alle Geräte und Sensoren, die der Soldat mitführt. Zu den Hauptfunktionen zählen Stromversorgungsmanagement, Zugangskontrolle und -überwachung, Informationssystem Soldat zur Karte/Lagedarstellung, Navigation, Meldewesen, Austausch von Aufklärungs- und Zieldaten, Verarbeitung diverser Sensordaten (z. B. Eigenposition, Blickrichtung), Bedienerschnittstelle und Visualisierung sowie die Systemkonfiguration.

Über eine manuelle Bedieneinheit, das Bedien- und Anzeigegerät (BAG), kann der Soldat das Soldatenführungssystem und die Kommunikation steuern. Auf dem BAG oder alternativ seinem OLED-Helmdisplay kann er alle relevanten Daten zur Lage, der Position eigener Kräfte (Stichwort Blue Force Tracking), zum Auftrag und zum Systemstatus erkennen. Die modular aufgebaute Bekleidung lässt sich an die geforderten Umwelt- und Temperaturbereiche optimal anpassen. Dazu kommt eine ballistische Unterziehschutzweste (Schutzklasse 1) mit integriertem Lüftungsshirt (ein Hemd mit eingebauten Lüftungsschlitzen mit Gebläse, da die Kleidung keine Luftzirkulation zulässt) sowie die modulare Trageausstattung, die Munition, Kampfmittel, elektronischen Rücken und zusätzliche Ausrüstung aufnimmt. Die Schutzweste IdZ-ES ist als Komplettweste mit Chestrig (Brusttragesatz) und Hüftgurt konzipiert und nimmt verschiedene Schutzeinschübe auf, so dass der Schutz bei Nutzung aller Optionen der deutschen Schutzklasse 4 entspricht. Der Gruppenführer und sein Stellvertreter erhalten die Führerzusatzausstattung, die aus dem tragbaren Führungsrechner besteht. An den Handwaffen befinden sich drahtlose Push-to-Talk-Tasten, die es ermöglichen, mit angeschlagener Waffe zu funken. Zudem lassen sich an den Handwaffen optische und optronische Anbaugeräte aufnehmen.

Die weiteren vergangene Woche durch den Haushaltsausschuss beschlossenen Vorhaben (in Stichpunkten), deren Vertragsunterzeichnungen nun anstehen, sind: A330 MRTT Tankflugzeuge; Korvetten K 130; Instandhaltung des Heeresinstandsetzungslogistik; SPz Puma (Sichtsysteme u. Ausbildungsanlage Turm); Unterstützungshubschrauber Tiger; Satellitenmission Heinrich Hertz; Gepanzertes Transportkraftfahrzeug Boxer; Ungeschützte Lastkraftwagen; Deutsch-norwegische Kooperation U 212; Munition MLRS; LHBw Mehrbedarf; Anschlusslösung Zebel 6 (Zebel 7); UAS (mRw) Luna und Nachfolgesystem; Geschützter Mobilkran; Geschütztes Berge-Kranfahrzeug; Joint Fire Support Team; Herkules Folgeprojekt (BWI).

Es fehlen noch die umstrittenen Vorhaben Streitkräftegemeinsame verbundfähige Funkgeräteausstattung (SVFuA), bewaffnungsfähiges UAV Heron TP, ZEBEL 7 und Patrone 120 mm x 570, HE, DM11. Über diese Vorhaben wird heute beraten. Bei Heron TP steht vor allem die Beschaffung von Übungsraketen in der Kritik. Sollte eine Lösung nicht gefunden werden, gerät das Vorhaben ins Rutschen und die Option einer möglichen Bewaffnung kann in absehbarerer Zeit kaum realisiert werden. Das Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) hat es schon gar nicht bis zur 25-Mio-Vorlage geschafft. Nachdem zunächst die Papiere der Bundeswehr nicht zeitgerecht vorlagen, lies das Angebot des Herstellers bis Mai 2017 auf sich warten. Wann das als Vorzeigeprojekt gestartete Vorhaben realisiert werden kann, ist unklar. Schon jetzt beträgt die Verzögerung fast drei Jahre.

Es hat sich gezeigt, dass der Apparat in der Bundeswehr die zahlreichen Rüstungsvorhaben nicht in angemessener Zeit stemmen kann. Beim geplanten personellen Neuaufbau müssen vor allem die konzeptionellen Bereiche gestärkt werden, damit der Zeitbedarf von der Initiative bis zum Vertragsschluss deutlich verkürzt werden kann. Dann ergibt sich auch ausreichend Kapazität für Reservevorhaben, die eintreten können, wenn der Mittelabfluss bei anderen Projekten stockt. Eine Beschaffung nur nach Bedarf oder erst nach dem Nachweis einer Fähigkeitslücke, hat sich zudem augenscheinlich nicht bewährt, da die Zeitspanne von der Bedarfsbeschreibung bis zur Vertragsunterzeichnung oftmals als zu lang anzusehen ist und die militärische Planung somit deutlich erschwert. Eine Vielzahl an Vorhaben bereits beschaffungsreif „auf Halde“ zu haben, hatte hingegen in vergangenen Perioden (Rühe, Scharping, Struck) gute Ergebnisse gebracht.


Anzeigen

Suche

Sie suchen einen bestimmten Artikel oder ein Schlagwort? Dann nutzen Sie unsere Archiv-Suche.

CD-ROM

CD ESuT 2013

Die kompletten Jahrgänge Europäische Sicherheit & Technik werden auch als CD-ROM veröffentlicht.

Erhältlich sind die Jahrgänge 2012 und (ab Februar 2014) 2013.

Im Shop können darüber hinaus die kompletten Jahrgänge 2011 der beiden Vorgängerzeitschriften Strategie & Technik und Europäische Sicherheit sowie die Jahrgänge 2001 bis 2010 von Strategie & Technik bestellt werden.

Mittler Report Verlag GmbH • Baunscheidtstraße 11 • D-53113 Bonn • Telefon (02 28) 35 00 870 • info@mittler-report.de