Mehr Boxer für die Bundeswehr
18.12.2015

Mehr Boxer für die Bundeswehr


Die Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation (OCCAR) hat heute im Auftrag des BAAINBw die Artec GmbH mit der Lieferung von 131 hochgeschützten Fahrzeugen des Typs Boxer an die deutsche Bundeswehr beauftragt. Artec, ein Joint Venture von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall, wird die Boxer-Fahrzeuge in der Variante Gruppentransport zwischen 2017 und 2020 ausliefern. Das Gesamtvolumen des Auftrags beträgt 476 Millionen Euro.
Die Produktion findet bei den beiden Mutterhäusern von Artec statt. Gefertigt werden 95 Fahrzeuge bei Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und 36 bei Rheinmetall. Die Bundeswehr hat bereits 272 Boxer-Fahrzeuge in unterschiedlichen Varianten unter Vertrag. Einsatzerfahrungen aus Afghanistan haben gezeigt, dass der Boxer erheblich zur Durchhaltefähigkeit und Mobilität der Infanterie beiträgt. Die positiven Einsatzerfahrungen mit dem GTK Boxer waren unter anderem ausschlaggebend für den jetzt erteilten Auftrag.

Exportkunde für den Boxer

Neben diesem Erfolg kann der Boxer auch den (wahrscheinlich) ersten Exportkunden begrüßen: Der nationale Sicherheitsrat Litauens hat das litauische Verteidigungsministerium beauftragt, mit der ARTEC Verhandlungen zum Kauf von 88 GTK Boxer aufzunehmen. Damit könnte Litauen der erste Exportkunde des bisher nur von Deutschland und den Niederlanden beschafften 8x8 Radpanzers werden.
Anfang 2015 hat Litauen die Beschaffung von 8x8-Transportpanzern für die Infanterie ausgeschrieben. Im Sommer waren Fahrzeuge zum Test beim litauischen Heer. Der von der ARTEC, einem Joint-Venture von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann, produzierte Boxer wurde im August/September auf dem litauischen Übungsgelände in Pabrade der Armeeführung und Vertretern der litauischen Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie vorgeführt. Er war dabei mit einem 30-Millimeter-Geschützturm ausgestattet. Als alternative Ausstattung kommen Panzerabwehr-Raketen oder Maschinengewehren infrage.
Der Vertrag über 84 Infanteriekampffahrzeuge und vier Führungsfahrzeuge soll Anfang 2016 unterzeichnet werden. Die Lieferung erster Fahrzeuge könnte 2017 erfolgen. Der Vertragswert wird auf etwa 500 Millionen Euro geschätzt.

Gescheiterte internationale Zusammenarbeit

Durch diese Erfolge könnte sich der Boxer dann von dem Manko befreien, dass die internationale Zusammenarbeit – oder besser gesagt das Scheitern derselben – dem Fahrzeug brachte. Denn bei der praktischen Durchführung zeigte sich zu Beginn des Projektes GTK trotz erfolgreicher Erarbeitung der gemeinsamen deutsch-französischen militärischen Forderungen, dass die Vertreter des französischen Rüstungsbereichs nur zögerlich agierten. Es war deutlich, dass Frankreich die Entwicklung des eigenen Véhicule Blindé de Combat d‘Infanterie durch die Firma GIAT unvermindert weiterverfolgte.
Dieses 8x8-Fahrzeug entsprach mit seinem mittelschweren Turm mit 25-mm-Maschinenkanone dem in den gemeinsamen militärischen Forderungen beschriebenen Véhicule d‘Appui Directe und sollte eindeutig als Konkurrenzmodell zum GTK fertig entwickelt werden.
Auch das Engagement der französischen Industrie im Vorhaben GTK war zögerlich. Die Staatsfirma GIAT blieb unverbindlich, die kleinere Firma Panhard durfte sich an dem einen Konsortium beteiligen, aber von einer Beteiligung der Firma Renault Military Vehicles, die erfolgreich Radpanzer, z.B. den 4x4 VAB für die französischen Streitkräfte und den Export fertigte, war nichts zu vernehmen. So verwunderte die französische Entscheidung, während der Vorbereitung der Ausschreibung, aus dem Vorhaben auszusteigen, nicht.
Als aber im Herbst 1997 die Auswahlentscheidung getroffen war und sich eine Realisierung konkretisierte, beantragte Frankreich, wieder dem Vorhaben beizutreten. Dies wurde – wiederum aus politischen Gründen – genehmigt. Erwartungsgemäß spielten auch dann die französischen Vertreter in den folgenden Verhandlungen wiederum keine sonderlich konstruktive Rolle, sondern stellten immer neue Forderungen nach Überlassung aller technischen und wirtschaftlichen Informationen des Vorhabens.
Generell erzeugte die internationale Kooperation ein weiteres Problem. In den bi-, tri- und quadronationalen Arbeits- und Steuergruppen überboten sich die Fachleute aller Nationen, die technischen Forderungen an das Fahrzeug so hoch wie möglich zu treiben. Dadurch wurde nur ein komplett ausgestattetes Fahrzeug mit allen Extras ausgeplant, mit allen Konsequenzen für die Entwicklungs- und Beschaffungskosten und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Eine Beteiligung des GTK an der weltweiten Ablösung der riesigen M113-Flotte, die dem Parlament in der Vorlage von 1998 in Aussicht gestellt worden war, fand nicht statt.
Mit Eintritt der Niederlande in die Entwicklungsgemeinschaft am 5. März 2000 wurde das Vorhaben trinational. Zwei Jahre später übernahm die übernationale Beschaffungsorganisation OCCAR die Vorhabenverantwortung.

Aktuelle Entwicklung

2009 konnte endlich das erste Serien-Fahrzeug an den Nutzer übergeben werden. Insgesamt hatten Deutschland und die Niederlande 472 Boxer bestellt, von denen die meisten produziert und ausgeliefert sind.
Ab 2011 kamen die ersten Boxer mit Einsatzkräften der Bundeswehr in den Einsatz nach Afghanistan.
Angesichts der veränderten Sicherheitslage hat sich die Bundesregierung entschieden, weitere 131 Boxer zu bestellen, die beginnend ab 2017 den unverändert hohen Bedarf des Heeres zumindest teilweise abdecken sollen.
Auch ein erster Exporterfolg scheint sich abzuzeichnen: Litauen tritt in Kaufverhandlungen mit der ARTEC ein, um 88 Boxer zu bestellen, die ebenfalls ab 2017 ausgeliefert werden sollen.


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